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Ausstellungen Travemünde und
Schleswig-Holstein Juni 2021

 

Dauerausstellung

„Vogelleben zwischen Fluss und Meer“

Ausstellung „Vogelleben zwischen Fluss und Meer“ in der Naturwerkstatt Priwall © lpvIm August 2020 wurde in der Naturwerkstatt Priwall die Dauerausstellung „Vogelleben zwischen Fluss und Meer“ eröffnet.

Diese erzählt von der abwechslungsreichen und faszinierenden Natur des Priwalls und der Geschichte, wie diese Halbinsel zu einem ganz besonderen Refugium für selten gewordene und gefährdete Küstenvögel wurde.

Durch verschiedene Ausstellungsobjekte, interaktive Medien und spielerische Stationen lädt sie Jung und Alt ein, die Natur des Priwalls zu entdecken und ihre gefiederten Bewohner näher kennenzulernen. Dabei darf selber ausprobiert und gerätselt werden:
Wo finde ich den besten Brutplatz für einen Kiebitz?
Und wie genau werden Vögel eigentlich gezählt?
Abgerundet wird die Ausstellung durch naturgetreue Dioramen, die die Vögel in ihren natürlichen Lebensräumen zeigen.

Die Naturwerkstatt Priwall ist ein Besucher- und Informationszentrum des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer e. V., gelegen am Rande des Naturschutzgebietes „Südlicher Priwall“. Regelmäßig starten von hier aus naturkundliche Führungen mit botanischem, vogelkundlichem oder naturhistorischem Schwerpunkt.

Öffnungszeiten:
April – Oktober: dienstags – sonntags: 12:00 – 17:00 Uhr
November – März: freitags – sonntags: 12:00 – 16:00 Uhr

Eintritt:
Erwachsene: 4 €
Kinder (ab 6 Jahre): 2 €
(inkl. Führung + 2 €)

Ort: Naturwerkstatt Priwall, Fliegerweg 5-7, 23570 Travemünde-Priwall
Tel. 04502 9996465

www.dummersdorfer-ufer.de

Foto © LPV (Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer)


noch bis 11. Juli 2021

„Die Vier Unvergesslichen“

Die Vier Unvergesslichen Portraits Schwestern © Stiftung Schloss Eutin Sönke EhlertDas enge Band zwischen Eutin, Oldenburg und dem russischen Zarenhaus

Familienbande und innige Freundschaft helfen durch schwere Zeiten, halten große Distanzen aus, stützen und bestärken.
Dies galt schon vor über 200 Jahren, als die Eutiner Herzöge familiär und dynastisch eng mit den russischen Zaren verbunden waren.

Die Sonderausstellung erzählt die Geschichte der „Vier Unvergesslichen“:
Peter Friedrich Ludwig, Fürstbischof von Lübeck und Herzog von Oldenburg, seine Frau Friederike und der russische Zar Paul I. mit seiner Gemahlin Maria Fjodorowna, der Schwester Friederikes.

Erstmals präsentiert das Schloss Eutin eine Ausstellung mit dem Landesmuseum Oldenburg.

dienstags – sonntags  11:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: 4 €
Kombiticket Schloss und Ausstellung 12 €
Führungen: jeden Donnerstag um 16:30 Uhr und jeden Samstag um 14:00 Uhr
Eine Privatführung kann unter Tel. 04521 70950 gebucht werden.

Ort: Schloss Eutin, Schloßplatz 5, 23701 Eutin
www.schloss-eutin.de

Foto © Stiftung Schloss Eutin Sönke Ehlert


noch bis 15. August 2021

„Schräge Typen“
Skulpturen von Marina Krohs

Marina Krohs, Neulich am Beckenrand © Marina KrohsIn seiner Sommerausstellung widmet sich das Ostholstein-Museum den humorvollen Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Marina Krohs, deren Figuren zu Recht den Namen „Schräge Typen“ tragen.

Geformt aus Ton und mit Aquarellfarbe bemalt, stehen sie da: hochaufgeschossen und dürr, mit überdimensional wirkenden Händen und Füßen und einem Gesichtsausdruck, der wohl jeden Betrachter zum Schmunzeln bringt. John Lennon und Yoko Ono demonstrieren Liebe, die Schwimm-Twins sind mit sich und der Welt zufrieden, Angela Merkel ist die Ruhe selbst und Breschnew und Honecker sind im Bruderkuss vereint, während Karl Lagerfeld sein Umfeld missmutig ignoriert …

Marina Krohs‘ Fantasie und Ideenreichtum scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Sie lässt sich für ihre Skulpturen häufig von Promis aus den Bereichen Pop, Film und Fernsehen inspirieren, manches entspringt aber auch ihren Begegnungen mit Mitmenschen im Alltag oder ihrer Fantasie.

So entstehen große und kleine Figuren, die den Betrachter in ihren Bann ziehen und mit ihrer einzigartigen Körpersprache und den fein herausgearbeiteten Charakteristika ihresgleichen suchen.

Marina Krohs, geboren 1964 in Reinbek, beschäftigte sich von Jugend an mit formbaren Materialien und lernte ihr Handwerk bei Christoph Hansing, einem Schüler des bekannten Keramikers und Bildhauers Jan Bontjes van Beek. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Begleitend zur Ausstellung, deren Schirmherr der Schauspieler Bjarne Mädel ist, erscheint ein Katalog, der für 10,00 € im Museum erhältlich ist.

Öffnungszeiten:
März – Oktober:
Dienstag bis Freitag 11:00 – 17:00 Uhr
Samstag/Sonntag/Feiertag 11:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: 6,00 €, ermäßigt 3,00 €

Ort: Ostholstein-Museum, Schlossplatz 1, 23701 Eutin
www.oh-museum.de 

www.schraegetypen.com

Foto © Marina Krohs


noch bis 29. August 2021

„Sex und Vorurteil“

Hijra - zweigeschlechtliche Gottheit - Indien © die LÜBECKER MUSEEN Eine Ausstellung der Völkerkundesammlung Lübeck

Um ein Thema so alt wie die Menschheit geht es in der zweiten Sonderausstellung der Lübecker Völkerkundesammlung unter ihrem neuen Leiter Dr. Lars Frühsorge: „Sex und Vorurteil“ lautet der spannungsgeladene Titel, unter dem vom 26. März bis voraussichtlich 29. August 2021 in den Räumen des St. Annen-Museums Fragen zur Sexualität und zum Thema Gender nachgegangen werden soll. Dabei liegt der Fokus auf den drei Kontinenten Europa, Afrika und Asien.

In einem zeitlichen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart werden die unterschiedlichsten kulturellen Aspekte des Themas anhand zahlreicher erotischer Kunstwerke und Objekte aufgezeigt, wobei die Ausstellung auch Vorurteile und Klischees hinterfragt, die über das Liebesleben in anderen Ländern oder Kontinenten vorherrschen.
Außerdem wird deutlich, dass Trans- und Intersexualität in anderen Weltgegenden bereits seit Jahrhunderten ihren gesellschaftlichen Platz gefunden haben.

Geplant ist außerdem ein weitgefächertes Begleitprogramm, das Raum für Fragen (und Antworten!) lässt. Hierbei kooperiert die Völkerkundesammlung u. a. mit dem Christopher Street Day, der Lübecker Aidshilfe und dem Lambda Nord e.V.

Dr. Lars Frühsorge, Leiter der Lübecker Völkerkundesammlung und Kurator der Ausstellung, betont, dass diese „keineswegs voyeuristisch“ sei und vielmehr darauf abziele, die Geschichte der Sexualität in Kunst und Kultur respektvoll abzubilden. Es sei ihm wichtig, dabei gängige Klischees wie die des „gut bestückten Afrikaners oder der sinnlichen Haremsdame“ auf ihre Herkunft zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen.

Die Ausstellung in den Räumen des St. Annen-Museums ist thematisch in drei Räume gegliedert, die den drei dargestellten Kontinenten entsprechen, und startet mit Europa. Anhand von Objekten wie Keuschheitsgürtel wird ein Abriss der Geschichte der Sexualität seit dem Mittelalter dargestellt und bereits hier mit ersten Klischees aufgeräumt, da diese nach neuesten Forschungsergebnissen vielmehr als Sexspielzeug oder zum Schutz vor sexuellen Übergriffen in Gebrauch waren statt zur Erzwingung der Keuschheit der Trägerin. Auch der Geschichte der Prostitution in Lübeck wird nachgegangen. Dass Transsexualität und Homosexualität in vergangenen Epochen weitaus selbstverständlicher akzeptiert wurden als heute, stellen zum Beispiel Porträtfotos aus Albanien dar, die Frauen zeigen, die per Eidesschwur offiziell als Mann anerkannt wurden.

Der zweite Ausstellungsraum ist dem Kontinent Afrika gewidmet. Hier sind einige Skulpturen erotischer Kunst aus der Nachlassschenkung des verstorbenen Kieler Sammlers Muhlack zu sehen. Dazu gehören beispielsweise so genannte „Jenseits-Ehepartner“, anhand deren Existenz man sich erotische Träume erklärte und die man daher figürlich darstellte. Auch Masken, die bei Pubertätsritualen zum Einsatz kamen, werden ausgestellt. Mit Literatur und Filmen soll dem aktuellen Trend des Sextourismus nachgegangen werden, bei dem Frauen der westlichen Welt im Afrikaurlaub sexuelle Dienstleistungen ortsansässiger Männer in Anspruch nehmen.
Eine separate Sektion zum Thema Orient hinterfragt anhand von Kunst, Bildern, Plakaten und Postkarten die typischen Klischees und Darstellungen von Haremsdamen und geht mit einem Video der Lübecker Tänzerin Pinu’u auch auf den stets als sehr sinnlich empfundenen Bauchtanz ein.

Der letzte der drei Räume gilt schließlich dem Kontinent Asien. Hier gibt es unter anderem thailändische, von buddhistischen Mönchen gesegnete Amulette zur Unterstützung bei der Partnersuche oder zur Steigerung der Potenz, arabische Sexualhandbücher oder erotische Miniaturmalereien aus Indien zu sehen. Auch hier weisen Abbildungen von zweigeschlechtlichen Göttern abermals auf eine gewisse Kultur der Intersexualität hin. An einer Hörstation können sich die Besucher:innen mit den Inhalten des Kamasutra vertraut machen, welches die weltweite Vorstellung der sexuellen Gepflogenheiten in Indien maßgeblich geprägt hat.
Als eines der Highlights der Ausstellung gilt die Sektion „Japan“. Hier sind explizite, aus heutiger Sicht pornografisch anmutende Grafiken zu sehen, die bereits in vergangenen Jahrhunderten üblich und in Japan selbst durch Anspielungen auf Gedicht und Literatur vielmehr als hochgeistig angesehen waren. Durch die Kombination von Schrift und Bild erinnern diese Darstellungen an Comics und gelten daher als Vorläufer der heute weit verbreiteten Animes und Mangas sowie der Shōnen, der heute auf dem japanischen Markt am meisten vertretenen Manga-Gattung, die sich an ein jugendliches, männliches Publikum richtet und oftmals ebenfalls erotisch konnotiert ist. Auch hier sind inzwischen Shōnen, bei denen sich Männer in Männer verlieben, nicht mehr unüblich. Eine Installation erotischer Bücher aus Japan ist daher ebenso in „Sex und Vorurteil“ vorhanden. Den Abschluss der Ausstellung bildet schließlich ein Video, das sich mit dem in Japan zunehmend beliebten Phänomen der „Gatebox“ auseinandersetzt. Diese stark an Alexa erinnernden Roboter übernehmen bei alleinstehenden Männern dort oftmals die Rolle einer virtuellen Freundin. Dass dabei weniger sexuelle Aspekte wie Dirty Talk, sondern überwiegend die Funktion einer Ansprechpartnerin, die sich auch einfach mal nach dem Wohlergehen erkundigt, zum Einsatz kommen, stimmt nachdenklich.

Begleitprogramm
Begleitend zur Ausstellung ist ein vielfältiges Programm geplant. Dies reicht von einer „unzensierten“ Kuratorenführung über Spaziergänge durch das historische Lübecker Rotlichtmilieu, eine Kunstperformance und Lesung zu Sexualität und Identität, eine Cosplay Modenschau bis hin zu Veranstaltungen unter anderem zur Verfolgung von Homosexuellen, einer interdisziplinären Talkrunde zu Sex und Gender und vielen digitalen Angeboten. Die Termine der Veranstaltungen werden abhängig von der Pandemielage kurzfristig auf der Website der Lübecker Völkerkundesammlung bekannt gegeben.

Weitere Informationen unter vks.die-luebecker-museen.de

Öffnungszeiten:
01.01. – 31.03.
Dienstag – Sonntag
11:00 – 17:00 Uhr

01.04. – 31.12.
Dienstag – Sonntag
10:00 – 17:00 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 8 €
Kinder unter 6 Jahren frei
Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren 2,50 €
Ermäßigte 4,- €

Ort: St. Annen-Museum, St. Annen-Straße 15, 23552 Lübeck
www.st-annen-museum.de

vks.die-luebecker-museen.de


noch bis 07. November 2021

»Hanse steinreich – eine LEGO Zeitreise«

EHM LEGO Hansekaufmann Winni Warendorp © Olaf MalzahnAb dem 15. Mai 2021 können sich LEGO Fans ein Ticket für »Hanse steinreich – eine LEGO Zeitreise« sichern. Dann startet der Vorverkauf für den Eintritt in die Sonderausstellung, die ab dem 29. Mai 2021 im Europäischen Hansemuseum gezeigt wird.

Das gab es noch nie: Die Welt der Hanse nachgebaut aus LEGO Klötzen. Mithilfe der bunten Plastiksteinchen des weltweit bekannten dänischen Spielzeugherstellers inszeniert das Europäische Hansemuseum die Geschichte der Hanse neu. Die Schau aus LEGO Steinen nimmt die Besucher:innen mit auf eine farbenfrohe Zeitreise durch verschiedene Jahrhunderte und ermöglicht einen unterhaltsamen Zugang zur Hanse – mit allerhand Details zum Entdecken.

In Zusammenarbeit mit Rene Hoffmeister, zertifiziertem LEGO Modellbauer der Firma BrickFabrik, werden sechs Hansewelten liebevoll nachgebaut. Detailreiche Dioramen mit Licht und Sound stellen Schlüsselereignisse aus der Hansegeschichte dar, wie die Anfänge des Handelsbündnisses an der Newa um 1200, einen Markt in Brügge um 1400 oder einen Hansetag in Lübeck im Jahre 1518, die auch in der Dauerausstellung des Europäischen Hansemuseums zu finden sind. Diese Lebenswelten und Großmodelle, wie eine drei Meter lange Kogge und ein annähernd lebensgroßer Kaufmann, werden so zu einem beeindruckenden und einmaligen Erlebnis für die ganze Familie.

Eine weitere Besonderheit ist die Entwicklung des Projekts als Wanderausstellung: Gemeinsam mit der Firma Molitor, die bereits das Ausstellungsdesign für »Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?« entworfen hat, wird »Hanse steinreich« als Wanderausstellung konzipiert und soll nach der Präsentation im EHM europaweit auf Tournee durch weitere Museen gehen. Interessierte Museen sind eingeladen, sich schon jetzt mit dem Europäischen Hansemuseum in Verbindung zu setzen.

Öffnungszeiten:
täglich 10:00 – 18:00 Uhr
Das Europäische Hansemuseum bleibt am Montag, den 14. Juni 2021, aufgrund einer internen Veranstaltung ausnahmsweise geschlossen. Die Schließung betrifft auch die Sonderausstellung »Hanse steinreich – eine LEGO Zeitreise« und das Burgkloster.

Eintritt: Die Tickets sind über den Online-Shop des Museums unter www.hansemuseum.eu erhältlich und kosten 8 €, ermäßigt 4 €. Familientickets werden ebenfalls angeboten.
Der Kauf einer Eintrittskarte ist nur in Verbindung mit einem vorab ausgewählten Zeitfenster möglich.
Auch für den Besuch der Dauerausstellung zur Geschichte der Hanse bietet das Museum seit einiger Zeit Online-Tickets mit Zeitfenster an. Hier können aufgrund des niedrigen Inzidenzwertes ab sofort deutlich mehr Tickets pro Zeitfenster angeboten werden.

Ort: Europäisches Hansemuseum, An der Untertrave 1, 23552 Lübeck
www.hansemuseum.eu

Foto © Europäisches Hansemuseum, Foto: Olaf Malzahn


noch bis 28. März 2023

Interimsausstellung
“Buddenbrooks im Behnhaus”

Ausstellung Buddenbrooks im BehnhausTony Buddenbrook heißt ab sofort ihre Gäste im Behnhaus willkommen

Endlich kann mit der Wiederöffnung der LÜBECKER MUSEEN seit dem 12. Mai 2020 auch die bereits Ende März fertig gestellte Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ der Öffentlichkeit
präsentiert werden.

Seit das Buddenbrookhaus nach seiner rauschenden Umzugsparty am 28. und 29 Dezember 2019 seine Pforten in der Mengstraße 4 für den umfassenden Umbau schließen musste, wurde an der Interimsausstellung im Museum Behnhaus Drägerhaus gefeilt. Das Ergebnis wird nun bis zum Ende der Umbaumaßnahmen des Literaturhauses, die trotz Corona planmäßig verlaufen, also voraussichtlich bis Herbst 2023 zu sehen sein.

Wir freuen uns, nun endlich die Buddenbrooks an ihrem neuen Standort zu zeigen. Wer die Inhalte des Romans und das bürgerliche Leben der Manns in Lübeck darstellen will, der kann keinen besseren Ort als das Behnhaus finden. Hier gehen das großbürgerliche Wohnumfeld und die bedeutende Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne eine Symbiose ein wie kaum an einem Ort“, so der Leitende Direktor der LÜBECKER MUSEEN, Prof. Dr. Hans Wißkirchen.

Durch die Ausstellung führt Antonie „Tony“ Buddenbrook, Protagonistin aus Thomas Manns weltberühmtem Roman „Buddenbrooks“. Diese Romanfigur schien zur Präsentation der Ausstellung aufgrund ihrer Lust am Erzählen, ihrer Begeisterungsfähigkeit für Neues sowie ihres Engagements für Familie und Stadt bestens geeignet.

In einer Art „Homestory“ erzählt sie von den Romanen „Buddenbrooks“ und „Professor Unrat“, von den Schriftstellern Thomas und Heinrich Mann und vom bürgerlichen Leben im 19. Jahrhundert. Wie sah das Leben in Lübeck zu dieser Zeit aus, was bedeutete die Stadt für die Brüder und wie wurde sie Literatur? Tony lädt die Besucher:innen zu einer Zeitreise ins Lübeck der Buddenbrooks und der Manns ein. Dabei wird schnell klar, warum ausgerechnet das Museum Behnhaus Drägerhaus zur Kulisse für diese Interimsausstellung wurde: in den Räumen des klassizistischen Stadtpalais kann die Lebenswelt der Buddenbrooks authentisch erlebt werden. Tonys Anspruch an Vornehmheit wird dabei ebenfalls entsprochen. Bereits bei der Buddenbrooks-Neuverfilmung von Heinrich Breloer aus dem Jahre 2008 wurden einzelne Szenen im Behnhaus gedreht.

Die Ausstellung erstreckt sich über die historischen Wohnräume des Behnhauses im Erdgeschoss und beginnt in der Diele, wo aus der Perspektive Tony Buddenbrooks die Entstehungsgeschichte des Romans erläutert und Bezüge zu realen Vorbildern der Romanfiguren und damit natürlich auch zur Familiengeschichte der Manns hergestellt werden.

Neben der ehrerbietenden Familienbibel der Manns ist hier auch eine Tabakdose mit Darstellung einer Wintertroika ausgestellt, die vermutlich als Mitbringsel eines russischen Kunden im 19. Jahrhundert in den Mannschen Familienbesitz gekommen ist. Zuletzt befand sich die Tabakdose im Besitz von Lisa Dräger, die sie von der mit ihr befreundeten Ilse Mann geschenkt bekam. Als Leihgabe von Lisa Dräger wurde die Dose schon einmal in den frühen 1990er Jahren im Drägerhaus ausgestellt und ist damit nun gewissermaßen ins Haus „zurückgekehrt“.

Als weitere Kuriosität der Interimsausstellung gilt ein Fächer, der als Requisit in der Verfilmung von „Buddenbrooks“ 2008 von Jessica Schwarz als Tony Buddenbrook getragen wurde. Er ist mit einem Lübeck-Panorama gemalt und fasst so verschiedene, sich überlagernde Ebenen der Ausstellung zusammen: Fakt und Fiktion, Ortsgebundenheit und mediale „Emanzipation“ der Geschichte, Vergangenheit und ihre Übertragung in die Gegenwart.

Zu den Highlights der Ausstellung zählt außerdem ein Klingelzug aus dem 19. Jahrhundert, mit dem die Familie Mann nach den Dienstboten geläutet haben soll und der nun erstmals museal präsentiert wird. Mit seinen 2,22 Meter Länge und der reichen Wollstickerei mit Glasperlen ist er ein besonders schönes Exponat, das viel über das Leben im Lübecker Patriziat erzählt.

Für die Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ wurde eigens ein eGuide konzipiert, mit dessen Hilfe man sich per App kostenlos auf dem eigenen Smartphone auch in Corona-Zeiten sicher durch die Ausstellung führen lassen kann und dennoch nicht auf wertvolle Hintergrundinformationen zu verzichten braucht.

Am 09. Juni 2020 eröffnet außerdem direkt zwischen Marienkirche und Rathaus unter dem Titel „Buddenbrooks am Markt“ ein Infocenter mit Museumsshop, in dem nicht nur Souvenirs des Buddenbrookhauses erstanden, sondern auch umfassende Informationen zum Stand des Umbaus des berühmten Literaturmuseums eingeholt werden können.

Öffnungszeiten:
01.04. – 31.12. Dienstag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
01.01. – 31.03. Dienstag – Sonntag 11:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: 
Erwachsene 8 €
Kinder unter 6 Jahren frei
Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren 2,50 €
Ermäßigte 4,- €

Ort: Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9-11, 23552 Lübeck
www.museum-behnhaus-draegerhaus.de

www.buddenbrookhaus.de


04. Juni – 08. August 2021

craft at its best
– Bornholm trifft Schleswig-Holstein

craft at its best – Bornholm trifft Schleswig-Holsteinin Zusammenarbeit mit dem BAK-SH

Bereits zum dritten Mal findet die Jahresschau des Berufsverbandes Angewandte Kunst Schleswig-Holstein (BAK-SH) im Ostholstein-Museum statt, die alle drei Jahre in Eutin mit wechselndem Schwerpunktthema durchgeführt wird.

Die Ausstellungsreihe hat das Ziel, die Qualität, Erfahrung und Kreativität der angewandten Künstlerinnen und Künstler hier im Lande einem breiten Publikum vorzustellen. Alle Mitglieder des BAK-SH waren eingeladen, in diesem Jahr zu dem ausgesuchten Thema Materialzauber bis zu drei Arbeiten einzusenden, die schließlich durch eine fünfköpfige Fachjury begutachtet und für die Ausstellung ausgewählt wurden. Darüber hinaus wurden Gastkünstlerinnen und -künstler von der dänischen Insel Bornholm, die seit 2017 als erste Region in Europa zur World Craft Region ernannt wurde, eingeladen, sich mit ihren für die Insel charakteristischen Werken an der diesjährigen Präsentation zu beteiligen, um ihre Exponate in den Dialog mit den Werken der schleswig-holsteinischen Künstlerinnen und Künstler zu setzen. Denn seit vielen Jahren widmet sich der BAK-SH aktiv der Kooperation mit Verbänden und Kunstschaffenden aus den Nachbarländern rund um die Ostsee.

Insgesamt sind 14 dänische und 28 deutsche Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Keramik, Porzellan, Glas, Holz, Silber/Schmuck, Textil und Papier mit rund 70 Arbeiten in der Eutiner Ausstellung vertreten. Die Präsentation macht deutlich, wie facettenreich, professionell und kreativ in den verschiedenen Gewerken mit der gestellten Aufgabe umgegangen wurde. Denn sowohl in den kleinen als auch in den großformatigen Arbeiten zeigt sich ein qualitätvoller, spannender und repräsentativer Querschnitt durch das aktuelle künstlerische Geschehen in der angewandten Kunst.

Zur Ausstellung erscheint begleitend eine Broschüre.

Öffnungszeiten:
März – Oktober:
Dienstag bis Freitag 11:00 – 17:00 Uhr
Samstag/Sonntag/Feiertag 11:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: 6,00 €, ermäßigt 3,00 €

Ort: Ostholstein-Museum, Schlossplatz 1, 23701 Eutin
www.oh-museum.de 


05. Juni – 03. Oktober 2021

„Spuren der Jahrhunderte.
Zur Restaurierung des Gavnø-Retabels“

Restaurierung des Gavnø-Retabels © die Lübecker MuseenDas Gavnø-Retabel zählt zu den großen Schätzen des St. Annen-Museums.

Der kostbare dreiflügelige Altar wurde um 1515 von Jacob van Utrecht gemalt. Nun wurde er mehr als ein Jahr lang aufwendig von der Lübecker Firma Butt restauriert.

Unter dem Titel „Spuren der Jahrhunderte – Zur Restaurierung des Gavnø-Retabels“ können Besucher:innen ab Samstag, den 05. Juni 2021, in die spannende Restaurierungsgeschichte eintauchen und die Maßnahmen und Ergebnisse der Arbeiten nachvollziehen.

Dabei erhält man Einblick in naturwissenschaftliche, technische und handwerkliche Anteile, die in der Restaurierung zusammenfließen“, so Miriam Mayer, die als Volontärin des St. Annen-Museums die Kabinettausstellung kuratiert hat.

Bei der Bearbeitung konnten immer wieder Hinweise auf frühere Eingriffe festgestellt werden: Die Tafeln aus dem frühen 16. Jahrhundert blicken demnach auf eine lange und bewegte Restaurierungsgeschichte zurück. Die Rückführung der alten Maßnahmen ermöglicht nun erstmals wieder eine Annäherung an das originale Erscheinungsbild der Malereien. Mithilfe von Mikroskopaufnahmen wurden Details wie Werkzeugspuren, Krakelee und Absplitterungen vergrößert dargestellt. Untersuchungen mit UV-Licht machten Retuschen, ältere Übermalungen und Firnisse sichtbar. Winzige Proben aus der Malschicht gaben Aufschluss über die verwendeten Pigmente und Bindemittel sowie die Dicke verschiedener Farb- und Firnisschichten. Zudem wurden verbräunte Firnisse abgenommen, wodurch nun die volle Farbigkeit und Schönheit des Altars wieder zur Geltung kommt. Dabei fallen jetzt auch Details ins Auge, die bisher keine Beachtung fanden. Und auch die Unterzeichnung, die mittels Infrarotkamera sichtbar gemacht werden konnte, bringt neue Erkenntnisse zur Entstehung des Retabels, welches von dem reichen Lübecker Kaufmann Hermann Plönnies und seiner Frau Ida in Auftrag gegeben wurde. Beide sind auf den Seitenflügeln des Triptychons verewigt, dessen Mitteltafel die Verkündigung an Maria zeigt.

Der Name des Gavnø-Retabels leitet sich von seinem langjährigen Aufenthaltsort ab, Schloss Gavnø auf der gleichnamigen Insel in Dänemark. Hier befand sich das Triptychon in der Sammlung des dänischen Staatsministers Otto Graf Thott (1703-1785) und seiner Familie, bis es 1976 in London bei Christie‘s und erneut 2011 verkauft wurde. 2011 konnte es mit Mitteln aus dem Nachlass von Georg Bartsch sowie mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder durch das St. Annen-Museum ersteigert werden. Mit dem Nachlass konnte auch die umfangreiche Restaurierung finanziert werden.

Es ist großartig, ein weiteres Highlight der Sammlung frisch restauriert präsentieren zu können und damit einmal mehr den großen Wert der Sammlung des St. Annen-Museums deutlich machen zu können“, freut sich Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube. Nicht nur die malerische Qualität Jacob van Utrechts kämen nun wieder zur Geltung, sondern auch erzählerische Details wie der Storch auf dem Gebäude, die Kirchtürme im Hintergrund oder die Schwäne auf dem See seien nun endlich wieder erkennbar.

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 8 €, Ermäßigte 4,- €, Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren 2,50 €, Kinder unter 6 Jahren frei

Ort: St. Annen-Museum, St. Annen-Straße 15, 23552 Lübeck
www.st-annen-museum.de

Foto © die Lübecker Museen


10. Juni – 31. Dezember 2021

Wanderausstellung
„Cap Arcona. Erinnern an ein Verbrechen“
im zeiTTor

Plakat Wanderausstellung „Cap Arcona. Erinnern an ein Verbrechen“ im zeiTTorAm 3. Mai 1945 wurden in der Lübecker Bucht die Schiffe „Cap Arcona“, „Deutschland“ und „Thielbek“ versenkt. Über 7.000 KZ-Häftlinge, die sich auf den Schiffen befunden hatten, kamen dabei ums Leben.

Die reich illustrierte Wanderausstellung dokumentiert auf 17 Aufstellern die Ereignisse in deutscher und englischer Sprache.

Die Tafeln sind bewusst in allen Museumsräumen verteilt worden und somit sowohl im vorgeschichtlichen als auch im stadtgeschichtlichen Teil zu sehen. Damit soll verdeutlicht werden, dass die Grundproblematik der Tragödie zeitlos ist. Das

Projekt ist eine Kooperation zwischen Wilhelm Lange, dem ehemaligen Leiter des Museums Cap-Arcona, und Schülerinnen und Schülern aller Neustädter Schulen. Das Bundesprojekt „Demokratie leben!“ und das Kinder und Jugend Netzwerk Neustadt in Holstein e. V. waren bei der Umsetzung der Wanderausstellung beteiligt.

Öffnungzeiten:
Ostern bis Oktober
Dienstag – Samstag: 10:30 – 17:00 Uhr
Sonn- und Feiertage: 14:00 – 17:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Im Juli und August ist das zeiTTor auch montags geöffnet.

November bis Ostern
Samstag und Sonntag: 14:00 – 16:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Eintritt:
Erwachsene: 4,00 €
Erwachsene mit Ermäßigung: 3,00 € (z. B. mit der Ostseecard)
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt

Ort: zeiTTor Museum der Stadt Neustadt in Holstein, Haakengraben 2-6, 23730 Neustadt in Holstein
Fürs Navi: Vor dem Kremper Tor
www.zeittor-neustadt.de


16. Juni – 08. August 2021

Sonderausstellung
„Fischerei in Neustadt in Holstein“

zeiTTor Fischereiausstellung Kuratoren Thomas Schwarz, links und Norbert Kahl, rechtsEs gibt 27 Neustadts in Deutschland, aber nur eins liegt am Meer, nämlich Neustadt in Holstein.
Deshalb prägten und prägen von allen Neustadts auch nur in unserem die Fischer das Stadtbild.

Thomas Schwarz und Norbert Kahl haben sich der Geschichte dieser langen Tradition intensiv gewidmet. Herausgekommen ist eine Sonderausstellung, wie sie für die Stadt Neustadt in Holstein bisher einmalig ist. Die beiden Kuratoren haben unzählige Fotos und Informationen zusammengetragen, die die Fischerei in Neustadt in Holstein bestens illustrieren.

Die Voraussetzung für die erfolgreiche Geschichte der hiesigen Fischerei ist Neustadts Lage am Wasser. Die guten natürlichen Hafenbedingungen waren ein wichtiger Faktor für die Ortswahl der Stadtgründung an dieser Stelle. Nicht zuletzt deshalb besteht hier das ehrwürdige Fischeramt von vor 1474, das als älteste Fischerinnung Deutschlands bekannt ist.

„Es ist gut, dass an diese für unsere Stadt typische Tradition erinnert wird,“ betont Bürgermeister Mirko Spieckermann. Auch Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski freut sich, dass sich mit Thomas Schwarz als faktischem Bildarchivar der Stadt und Norbert Kahl als bester Kenner der jüngeren Stadtgeschichte sowie Vorstandsmitglied des Fördervereins ein Team gebildet hat, das professionell die Neustädter Geschichte lebendig macht. Monika Bremer aus dem Vorstand des Museumsfördervereins würdigt vor allem das Engagement der beiden Kuratoren, die die gesamte Ausstellungsarbeit ehrenamtlich geleistet haben.

Öffnungzeiten:
Ostern bis Oktober
Dienstag – Samstag: 10:30 – 17:00 Uhr
Sonn- und Feiertage: 14:00 – 17:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Im Juli und August ist das zeiTTor auch montags geöffnet.

November bis Ostern
Samstag und Sonntag: 14:00 – 16:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Eintritt:
Erwachsene: 4,00 €
Erwachsene mit Ermäßigung: 3,00 € (z. B. mit der Ostseecard)
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt

Ort: zeiTTor Museum der Stadt Neustadt in Holstein, Haakengraben 2-6, 23730 Neustadt in Holstein
Fürs Navi: Vor dem Kremper Tor
www.zeittor-neustadt.de


16. Juni 2021 – 03. Oktober 2021

Armin Mueller-Stahl
„Nacht und Tag auf der Erde“

Armin Mueller-Stahl © TraveMediaSave the Date: Ein großes Jubiläum wird ab dem 16. Juni 2021 in der Kunsthalle St. Annen begangen, die das Multitalent Armin Mueller-Stahl zu seinem 90. Geburtstag mit der Ausstellung „Nacht und Tag auf der Erde“ würdigt. Der 1930 in Tilsit / Ostpreußen geborene Maler, Musiker und Schauspieler stellt mit der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Ausdrucksweisen eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 21. Jahrhunderts dar. In der Ausstellung steht vor allem das Schaffen Mueller-Stahls im Bereich der bildenden Kunst im Fokus. Gleichzeitig soll anhand der Gegenüberstellung von Filmsequenzen und Szenenfotos deutlich gemacht werden, dass für Mueller-Stahl sein schauspielerisches und malerisches Schaffen stets eine Symbiose eingehen und sich seine unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten gegenseitig beeinflussen.

So bedingt das besondere schauspielerische Interesse, verschiedene Charaktere zu ergründen und sich in sie hineinzuversetzen, eine hohe Affinität zum Zeichnen und Malen der subtilen Nuancen menschlicher Gesichter und der in ihnen verborgenen Wesenszüge. Viele Begegnungen in der Deutschen Demokratischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika haben Mueller-Stahl im Laufe seines Lebens dahingehend inspiriert. Sein so gewachsenes künstlerisches Werk umfasst zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken.

Die Kunsthalle St. Annen wird rund 120 Bilder des Künstlers zeigen, die zusammen mit ihm ausgewählt wurden. „Mir war es wichtig, einen Querschnitt seiner Arbeiten zu zeigen“, so die Leitende Kuratorin der Kunsthalle, Dr. Antje-Britt Mählmann. Dabei soll das Schaffen Mueller-Stahls anhand einiger exemplarisch ausgewählter Themen- und Werkblöcke dargestellt werden. Vorbilder, Erfahrungen und Werke im Bereich der Schauspielerei, der Musik sowie der bildenden Kunst werden dabei ebenso berücksichtigt wie einschneidende Erlebnisse von politischer Unterdrückung, Verrat, Spionage und Migration, die Mueller-Stahls Schaffen tief geprägt haben. Auch die spezielle Lebenssituation des Künstlers zwischen den USA und Deutschland, respektive der früheren DDR, ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

Die Präsentation umfasst eine große mediale Bandbreite von den frühen Gemälden über meisterhaft ausgeführte druckgrafische Zyklen und großformatige allegorische Gemälde bis zu den jüngsten Porträts Jüdischer Freunde und Weggefährten, die in dieser Form erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Darüber hinaus werden auf Monitoren Filmausschnitte Bezüge einzelner Werkblöcke zum filmischen Schaffen verdeutlichen. Videointerviews mit dem Künstler liefern weitreichende Erklärungen zu seinen Intentionen. Ein Filmraum in der Black Box der Kunsthalle soll es den Besucher:innen zudem ermöglichen, in Mueller-Stahls Biografie sowie seine schauspielerische und malerische Entwicklung im Kontext der Zeitgeschichte einzutauchen.

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 8 €, Ermäßigte 4,- €, Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren 2,50 €, Kinder unter 6 Jahren frei

Ort: Kunsthalle St. Annen, St. Annen-Straße 15, 23552 Lübeck
www.kunsthalle-st-annen.de

Foto © TraveMedia


25. Juni – 14. November 2021

GastArbeiter!?

spanische Gastarbeiter mit Dolmetscher © Werkszeitschrift „Unser Schaffen“ 1961 Heft 10Ab Freitag, 25. Juni 2021, lädt das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk im Rahmen einer neuen Sonderausstellung mit dem Titel „GastArbeiter!?“ seine Besucher:innen dazu ein, sich mit der Geschichte der Gastarbeiter:innen in sowie der Arbeitsmigration nach Lübeck auseinanderzusetzen. Anlass ist das Anwerbeabkommen mit der Türkei, das sich in diesem Jahr zum 60. Mal jährt. Die Ausstellung wird bis 14. November 2021 zu sehen sein.

GastArbeiter!?“ versteht sich nicht als allgemeine Ausstellung über Migration nach Lübeck an sich, was aufgrund der Komplexität des Themenfelds nicht zu leisten wäre. Vielmehr sollen Menschen im Vordergrund stehen, die mit einem konkreten Arbeitsangebot in die Hansestadt gekommen sind – also nicht die Menschen, die in der unbestimmten Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und die eigenen Kinder nach Lübeck kamen und teilweise abwertend als „Wirtschaftsflüchtlinge“ bezeichnet wurden.

Zahlreiche Text- und Bildtafeln dokumentieren den historischen Verlauf der Arbeitsmigration von den ersten Posen und Westpreußen, die das Hochofenwerk Lübeck um 1900 aufbauten, über die Gastarbeiter:innen ab den 1960er Jahren bis hin zu dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das die heutige Arbeitsmigration regelt. Neben den Abkommen mit Ländern wie Italien, Portugal, Griechenland, Spanien oder der Türkei werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter:innen beleuchtet. Auch die Diskriminierung dieser Menschen, der Austausch von Gütern zwischen Deutschland und den Heimatländern sowie die Definition von Heimat der Gastarbeiterkinder soll thematisiert werden. Ein Blick in die Gegenwart zeigt das Leben heutiger Saisonarbeiter:innen und Arbeitsmigrant:innen wie z. B. Lastwagenfahrer:innen oder Erdbeerpflücker:innen.

Das Herzstück der Ausstellung bilden umfangreiche Zeitzeugen-Portraits von Gastarbeitern:innen aus Lübeck, die hier geblieben sind und den Besucher:innen ihre Geschichte in einem Interview-Format erzählen. Private Erinnerungsstücke dieser Menschen vervollständigen das Bild ebenso wie Tonaufnahmen türkischer Künstler, die sich damals und heute mit dem Thema der Einwanderung musikalisch auseinandergesetzt haben.

Dank gelte der Possehl-Stiftung für die finanzielle Förderung ebenso wie dem Förderverein des Museums und dem Haus der Kulturen für die Vermittlung von Kontakten.

Zum Begriff Gastarbeiter: „Beim Blick in die Ausstellung und auf das Werbematerial kommt gleich als Erstes die Frage auf: Wieso ist der Titel der Ausstellung ‚GastArbeiter!?‘ in so einer merkwürdigen Schreibweise gehalten? Die Antwort lautet: Weil das Thema der Gastarbeit sehr vielschichtig und auch der Begriff aus heutiger Sicht problematisch ist“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Industriemuseums, Dr. Bettina Braunmüller. Die Bezeichnung „Gastarbeiter“ sei alltagssprachlich und keineswegs amtssprachlich. Sie umschreibt im allgemeinen Sprachverständnis ausländische Arbeiter, die im Rahmen von Anwerbeabkommen im Nachkriegsdeutschland des Wirtschaftswunders in die BRD gekommen sind, um hier einen Arbeitskräftemangel auszugleichen, so genannte „Arbeitsemigranten“. „Der Begriff des Gastarbeiters wurde jedoch bereits in den 1970er Jahren von einigen Soziologen als zu euphemistisch, d. h. als zu beschönigend, kritisiert. Schließlich lebten die Gastarbeiter oft unter schlechten Bedingungen und nicht unbedingt wie Gäste, denen Gastfreundschaft entgegengebracht wurde“, erläutert Frühsorge, Mitkurator und Leiter der Lübecker Völkerkundesammlung. Später wich man daher auf Bezeichnungen wie „ausländische Arbeitnehmer“ oder „Arbeitsmigranten“ aus und setzte den Terminus „Gastarbeiter“ oft in Anführungszeichen, um sich von dessen Beschönigung zu distanzieren.

Der Begriff des Gastes sei inhaltlich teils treffend, da man in der BRD nicht die Absicht hatte, die ausländischen Arbeiter in die deutsche Gesellschaft zu integrieren oder ihnen eine neue Heimat zu geben. Nach getaner Arbeit sollten sie wieder abreisen. Daher waren auch alle Arbeitsverträge über die Anwerbeabkommen mit den Partnerstaaten zeitlich befristet.

Dennoch blieben viele Gastarbeiter:innen über viele Jahre oder sogar für immer in Deutschland, heirateten hier, bekamen Kinder bekamen und wurden in der BRD alt. Aus vermeintlichen „Gästen“ wurden Einwanderer, die blieben.

Digitale Vernissage:
Die Ausstellung wird mit einer digitalen Vernissage eröffnet. Dieser Film kann ab Freitag, 25. Juni 2021, unter www.geschichtswerkstatt-herrenwyk.de abgerufen werden.

Begleitprogramm:
Begleitend zur Ausstellung finden einmal im Montag jeweils samstags um 10 Uhr öffentliche Führungen mit den beiden Kuratoren im Wechsel statt.
Termine: 17. Juli (Braunmüller), 14. August (Frühsorge), 18. September (Braunmüller), 23. Oktober (Frühsorge) und 13. November (Braunmüller).
Um Voranmeldung wird gebeten, da die Mindestteilnehmerzahl pro Führung bei vier, die Maximalzahl bei sieben Personen liegt.
Schulklassen oder andere Gruppen erhalten Führungen auf Anfrage.
Alle Termine und Veranstaltungen werden abhängig von der Pandemielage kurzfristig auf der Website des Industriemuseums bekannt gegeben.

Öffnungzeiten:
freitags 14:00 – 17:00 Uhr
samstags und sonntags 10:00 – 17:00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 4 €, Kinder und Jugendliche 6 – 15 Jahre 2 €, Kinder und Jugendliche 16 – 18 Jahre 4 € Kinder unter 6 Jahren frei, Ermäßigte 3 €

Ort: Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Kokerstraße 1-3, 23569 Lübeck
www.geschichtswerkstatt-herrenwyk.de

Foto © Werkszeitschrift „Unser Schaffen“ 1961 Heft 10


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